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- Success Story
Factory-X: Agile Struktur für ein komplexes Projekt
Wie MHP im Auftrag des Konsortium Factory-X 600 Personen aus über 50 Konsortialpartnern in einem agilen Kollaborationsmodell erfolgreich koordiniert.
Factory-X: Das Leuchtturmprojekt zur Schaffung eines digitales Ökosystem im Maschinenbau
Das Konsortialprojekt Factory-X ist das Vorzeigeprojekt in der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Initiative Manufacturing-X zur Digitalisierung und Umsetzung von Industrie 4.0 im Anlagen- und Maschinenbau. Ziel ist die Errichtung eines offenen und kollaborativen Daten-Ökosystems, über das Fabrikausrüster und -betreiber Daten der gesamten Produktions- und Lieferketten austauschen können – sicher, souverän und effizient. Damit steht Factory-X in mittelbarer Nachfolge des ebenfalls vom Bund geförderten Projekts Catena-X, das ein ganz ähnliches Ziel verfolgte, sich dabei jedoch auf die Automobilindustrie fokussierte.
Unter der Leitung der Unternehmen Siemens und SAP umfasst das Factory-X Konsortium 47 Verbundpartner sowie 10 weitere assoziierte Partner aus Wirtschaftsunternehmen, Forschungsinstituten und Verbänden. Bis zum Sommer 2026 arbeiten insgesamt 600 Personen an 11 verschiedenen Use Cases rund um die sichere, partnerübergreifende Nutzung von Daten. Dazu zählen unter anderem Software-Lösungen zur Messung des CO2-Fußabdrucks, zur Verbesserung der Abläufe auf dem Shopfloor oder zur besseren Rückverfolgung von Lieferketten.
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Wenn unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen
Die größte Stärke des Factory-X Konsortiums birgt gleichzeitig eines der größten Risiken: So garantiert die Vielzahl an beteiligten Akteuren einerseits tiefgehendes Know-how und breite Akzeptanz der Projektergebnisse. Andererseits ergeben sich hieraus große Herausforderungen für die tägliche Zusammenarbeit.
Die meisten der insgesamt 600 beteiligten Personen kannten einander vor Projektstart nicht, die Zusammenarbeit erfolgte von Beginn an größtenteils remote – schwierige Voraussetzungen für eine enge, vertrauensvolle Kollaboration. Zumal jede:r Beteiligte aus seinem Stammunternehmen unterschiedliche Stile der Kooperation gewohnt war. Während die einen eine klassisch-hierarchische Arbeitsweise nach Wasserfall-Modell gewohnt waren, arbeiteten die anderen in ihren Unternehmen nach agilen Projektstrukturen – und erwarteten dies auch von der Arbeit für Factory-X.
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Time matters: Strukturaufbau unter Zeit- und Ergebnisdruck
Aufgrund der auf zweieinhalb Jahre begrenzten Laufzeit muss Factory-X zügig Ergebnisse liefern. Dementsprechend blieben für den Entwurf der Ablauf- und Aufbauorganisation nur wenige Wochen Zeit – zu wenig für eine detaillierte Wertstromanalyse, wie wir sie sonst empfehlen würden.
Im Rahmen einer Wertstromanalyse wird untersucht, wie Arbeitspakete und -prozesse durch die Organisation fließen, welche Personen mit welchen Fähigkeiten zu welchem Zeitpunkt beteiligt werden und welchen Wert die einzelnen Arbeitspakete am Ende für das Projekt schaffen. Auf Basis dieser Analyse werden schlanke Prozesse gestaltet, die über Team-, Abteilungs- und ggf. auch Unternehmensgrenzen hinweg Personen an genau der richtigen Stelle im Prozess involvieren. Der absolute Fokus liegt auf der Wertgenerierung.
„Wir mussten innerhalb weniger Wochen aus der Vorhabenbeschreibung des Antragsprozesses einen Entwurf für die Ablauf- und Aufbauorganisation entwickeln.”
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One size does not fit all: Agilität als Erfolgsfaktor in einem unsicheren Umfeld
Aufgrund des straffen Zeitplans, der Vielzahl unterschiedlicher Akteure und dem schwer vorhersehbaren Projektumfeld entschied sich unser MHP-Team für einen skalierten, agilen Ansatz der Zusammenarbeit. Ähnlich wie bereits beim Projekt Catena-X setzt das Kooperationsmodell von Factory-X auf klassische Elemente und Best Practices agiler Projektstrukturen. Dazu zählen unter anderem:
- Kurze Entwicklungszyklen (Iterationen), um schnell auf wechselnde Anforderungen des dynamischen Umfelds reagieren zu können
- Selbstorganisierte, cross-funktionale Teams mit der Verantwortung für ein eigenständiges Lieferobjekt
- Einführung einer klaren “Definition of Ready” und “Definition of Done” sowie zugehöriger Qualitätskriterien zur Abnahme
- Regelmäßige Backlog Refinements, um sicherzustellen, dass alle Teammitglieder wissen, welche Aufgaben als nächstes anstehen
Die Vorteile dieser Herangehensweise liegen auf der Hand: Durch die kurzen Iterationszyklen können Strukturen auch kurzfristig immer wieder neu bewertet und angepasst werden. Gleichzeitig feiern die neu zusammengestellten Teams bereits nach kurzer Zeit erste Erfolge – ein nicht zu unterschätzender Motivations- und damit auch Erfolgsfaktor für den weiteren Projektverlauf.
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Sneak Peak hinter die Kulissen: Der MHP-Ansatz im Detail
Der MHP-Kollaborationsansatz für Factory-X kombiniert Best Practices ausführender skaliert-agiler Frameworks – etwa Leitlinien zur Rollendefinition oder zum Festlegen von Qualitätskriterien – mit dem Gedankenmodell der Business Agilität. Dieses Modell unterteilt die verschiedenen Aufgaben innerhalb eines Projekts in drei Betrachtungsweisen. Bei Factory-X sind das:
- Operative Umsetzung
Betrachtet werden die Aufgaben innerhalb der Teams (Tasks) im Zyklus von 2-Wochen Sprints. - Teamübergreifende Koordination
Betrachtet werden teamübergreifende Aufgaben (Features) im 3-Monats-Zyklus - Strategische Ebene
Übergeordnete strategische Grundsatzfragen und -entscheidungen
Diese Unterteilung verschafft allen Beteiligten einen besseren Überblick über das Gesamtprojekt. Abhängigkeiten treten deutlich zu Tage, was sowohl die Priorisierung einzelner Aufgaben erleichtert und einen regelmäßigen Austausch zwischen den Projekt-Akteuren sicherstellt.
„Nach grundsätzlich positiven Erfahrungen mit dem Einsatz von agilen Projektentwicklungsmethoden in Catena-X stand für mich schnell fest, auch in Factory-X gemäß den agilen Prinzipien zu arbeiten.”
Meilensteine auf dem Weg zum agilen Kollaborationsmodell
Jeder Ansatz ist nur so gut, wie seine Umsetzung in der Praxis. Damit aus unserem Zusammenarbeitsmodell bei Factory-X ein echtes Erfolgsmodell werden konnte, waren folgende Maßnahmen notwendig:
- Einführung agiler Kollaborationstools
Auf unseren Rat und unter unserer Anleitung wurden agile Projektmanagement-Tools wie JIRA, Agile Hive und Confluence eingeführt. Das erleichtert den permanenten Austausch zwischen den Teammitgliedern und garantiert eine saubere Dokumentation der Arbeitsergebnisse. - Definition von Schlüsselrollen
„People over processes and tools”: Im Mittelpunkt agiler Organisationen stehen immer die handelnden Personen. Aus diesem Grund war es für uns essenziell, die Schlüsselrollen der Product Owner und des Scrummaster mittels detaillierter Rollenbeschreibungen klar zu definieren – und die entsprechenden Personen in ihren neuen Rollen zu begleiten. Im Zuge regelmäßiger Enablement Sessions konnten wir allen Beteiligten das nötige Know-how rund um agile Arbeitsweisen und den Umgang mit JIRA und Co vermitteln, um ihre jeweiligen Teams entsprechend steuern zu können. - Transparente Kommunikation
Vom Projektstart an bekam das Thema Organisationsdesign den Raum, den es benötigt. Bei Konsortial-Meetings waren auch wir von MHP mit von der Partie, um unseren Ansatz zu erläutern. Das sorgte bereits im frühen Stadium für breite Akzeptanz.
„Die konsequente Begleitung in Form der Q&A Sessions, Scrum-of-Scrum-Sessions und die Kombination aus Team-Feedback mit anschließender Guidance zur konkreten agilen Umsetzung – jeweils mit der kompetenten Unterstützung von MHP – hat uns für ein solch komplexes Projekt schnell und effektiv vorangebracht.”
Agile Strukturen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit
Gestartet im April 2024, verfügt Factory-X nicht zuletzt dank unserer Arbeit über ein agiles Kollaborationsmodell, das die effiziente Koordination von über 50 Partnerunternehmen aus IT und Maschinenbau ermöglicht. Damit haben wir eine Grundvoraussetzung geschaffen, um die ambitionierten Ziele des Projekts erreichen zu können.
Während in vielen Projekten Planung und Realität weit auseinanderklaffen, konnten bei Factory-X nach jedem Planungsintervall entsprechende Ergebnisse präsentiert werden. Und das nicht nur projektintern: Auf der HMI und anderen Messen vorgestellte Demonstratoren lieferten der Öffentlichkeit bereits erste eindrucksvolle Belege von der erfolgreichen Zusammenarbeit innerhalb des Projekts.
„Bei einem Projekt mit so vielen Projektpartnern und vielen Firmenkulturen lassen sich Strukturen nicht über Nacht aufbauen. Bei Factory-X haben wir es von Planungsintervall zu Planungsintervall geschafft, Prozesse und Arbeitsabläufe zu verbessern.“